Im Jahr 2030 kommen 83 über 65-Jährige im Landkreis Görlitz auf 100 Bürger, die zwischen 18 und 65 Jahre alt sind. Und das bei einer insgesamt weiter fallenden Bevölkerungszahl zwischen Bad Muskau-Köbeln und Neugersdorf. Wie dann Pflege und Facharztbetreuung funktionieren sollen, wurde am Donnerstag bei einem SPD-Bürgerforum in Bad Muskau diskutiert. Nach anderthalb interessanten Stunden in überschaubarer Runde stand fest, dass diese Themen große Herausforderungen darstellen und alle Entscheidungsträger ihre Hausaufgaben zu machen haben. Denn die Probleme sind heute schon deutlich absehbar. So weiß man, dass 2020 deutschlandweit 250 000 Pflegekräfte fehlen werden und das heute schon 60 Prozent aller Hausärzte über 50 Jahre alt sind. "Ich bin mit 55 Jahren der Viertjüngste", so Dr. Karl-Heinz Dreier aus Weißwasser. Als er sich 1991 hausärztlich in Weißwasser niederließ, "hatte ich 200 Rentner und 800 Kinder zur Behandlung. Heute ist es genau anders herum." Er und seine Kollegen seien fleißig, behandeln oft das Doppelte dessen, was sie im Quartal leisten müssten.

Um Hausärzte in Sachsen zu gewinnen, laufen Stipendienprogramme an. So werden Studenten bei einem Studium in Ungarn finanziell unterstützt. Sie sollen später in Sachsen arbeiten. In Thüringen geht die Kassenärztliche Vereinigung – sie ist für die Sicherstellung von Arztstellen zuständig – andere Wege. Sie kauft Niederlassungen auf und stellt junge Ärzte für eine Übergangszeit ein.

Dass Bewegung in das ganze Thema gekommen ist, findet auch Thomas Jurk, SPD-Bundestagsabgeordneter. "Im Koalitionsvertrag steht ja, dass man innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten soll. Das ist ja öffentlich schon stark diskutiert worden. Es hat auf alle Fälle den Druck im Kessel erhöht", so Jurk. Man müsse nun genau hinsehen, was rauskommt.

Beim Thema Pflege ist laut Jurk klar, "das Geld ins System muss". Deshalb sind Erhöhungen beim Pflegegeldsatz auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Doch Geld sei nicht allein das Thema, wird am Donnerstag festgestellt. Es braucht eine Beratungsstruktur für die Pflege. In Sachsen fehle es landesweit nicht nur an einem Altenhilfeplan, sondern auch an Pflegestützpunkten, so SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Neukirch. Mit diesen habe Brandenburg beispielsweise gute Erfahrungen gemacht.

Doch Alexander Porges, Inhaber des Pflegedienstes "Sonne im Herzen" und SPD-Stadtratskandidat in Bad Muskau, erklärt, dass Beratung eigentlich ureigenste Aufgabe der Pflegeunternehmen sei. Leider werde das Thema aber auch in Familien erst angesprochen, wenn es dränge. "Es fehlt an Transparenz in der Pflege", so Porges. Und noch ein anderer Umstand müsse geändert werden. Nicht die Qualität der Pflegedokumentation dürfe ausschlaggebend sein, sondern der Dienst am Mensch müsse verbessert werden.